Die Prompt-Müdigkeit besiegen

Wie ein schwäbisches Tech-Projekt Unternehmen zu einer kontrollierten KI-Nutzung führt

Große Sprachmodelle verändern derzeit zahlreiche Büro- und Wissensprozesse. Gleichzeitig stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, diese Technologien sinnvoll in bestehende Arbeitsabläufe zu integrieren. Das Reutlinger Beratungshaus SATRI Consulting verfolgt mit seiner Plattform ownvia einen Ansatz, bei dem KI strukturiert in Unternehmensprozesse eingebunden werden soll.

Von Klaudija Tripković, CGO bei ownvia

Nach der ersten Euphorie über ChatGPT und andere KI-Assistenten zeigt sich in vielen Unternehmen ein ähnliches Bild: Mitarbeitende nutzen unterschiedliche KI-Werkzeuge, entwickeln eigene Prompts und erzielen dabei teilweise unterschiedliche Ergebnisse. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Datenschutz, Nachvollziehbarkeit, Qualitätssicherung und  Wissensmanagement an Bedeutung.                                                                                          

Die Leistungsfähigkeit moderner Sprachmodelle ist dabei nur ein Teil der Lösung. Für einen produktiven Einsatz müssen sie mit unternehmensspezifischem Wissen, Terminologie, Prozessen und Qualitätsanforderungen verbunden werden.

„In vielen Projekten erleben wir, dass die Herausforderung nicht das Sprachmodell selbst ist. Entscheidend ist, wie Unternehmenswissen, Prozesse und Qualitätsanforderungen in den KI-Einsatz eingebunden werden“, sagt Saša Tripković, Geschäftsführer von SATRI Consulting.

Mit der KI-Plattform ownvia verfolgt das Unternehmen deshalb einen anderen Ansatz: Anstelle eines allgemeinen Chatfensters können Unternehmen strukturierte KI-Anwendungen bereitstellen, die auf definierte Aufgaben und Abläufe ausgerichtet sind.

Schluss mit der Blackbox: Die Ära der Micro-Apps

Im Mittelpunkt stehen sogenannte Micro-Apps – vorkonfigurierte KI-Anwendungen für klar definierte Aufgaben. Sie können beispielsweise bei der Erstellung von Marketingtexten, der Analyse von Ausschreibungsunterlagen oder der Unterstützung technischer Dokumentationsprozesse eingesetzt werden.

Anwender müssen dabei nicht für jede Aufgabe einen neuen Prompt entwickeln. Stattdessen greifen sie auf definierte Arbeitsabläufe zurück, in denen unter anderem Prompts, Unternehmenswissen, Terminologie und weitere Vorgaben hinterlegt werden können. Dadurch lassen sich Arbeitsabläufe standardisieren und Ergebnisse besser nachvollziehbar gestalten.

Über einen integrierten App-Manager können diese Micro-Apps ohne Programmierkenntnisse konfiguriert und angepasst werden. Unternehmen erhalten damit die Möglichkeit, internes Wissen zentral bereitzustellen und innerhalb ihrer Organisation wiederzuverwenden.

Übersetzung als Einstieg in strukturierte KI-Prozesse

Ein praxisnahes Einsatzgebiet ist die Übersetzung. Viele international tätige Unternehmen bearbeiten regelmäßig Verträge, technische Dokumentationen, Handbücher oder Marketingunterlagen in mehreren Sprachen.

Allgemeine KI-Übersetzungssysteme liefern häufig bereits qualitativ gute Ergebnisse. Bei unternehmensspezifischer Terminologie, regulatorischen Anforderungen oder verbindlichen Stilvorgaben kann jedoch eine zusätzliche Qualitätssicherung erforderlich sein.

Ein integrierter Post-Editing-Editor ermöglicht die Überarbeitung der KI-Ergebnisse innerhalb derselben Arbeitsumgebung. Unternehmensglossare, Terminologie und Stilvorgaben können dabei in den Übersetzungsprozess eingebunden werden.

Ein weiterer Bestandteil der Plattform ist ihre modellunabhängige Architektur. Unternehmen können – abhängig von ihren fachlichen, wirtschaftlichen oder datenschutzrechtlichen Anforderungen – unterschiedliche unterstützte KI-Modelle auswählen und einsetzen.

Forschungsförderung und internationale Anerkennung

Zwei Entwicklungen aus dem Jahr 2026 unterstreichen die Weiterentwicklung der Plattform.

Für das Entwicklungsprojekt hinter ownvia wurde im Jahr 2026 eine Forschungszulage nach dem Forschungszulagengesetz (FZulG) bewilligt. Mit der Bewilligung wurde bestätigt, dass das eingereichte Forschungsvorhaben die gesetzlichen Fördervoraussetzungen erfüllt.

Darüber hinaus wurde ownvia im Jahr 2026 in die Auswahl „Slator Language AI 50 Under 50“ aufgenommen. Die jährlich veröffentlichte Übersicht des Branchenanalysten Slator stellt Unternehmen vor, die aus Sicht der Redaktion zu den bemerkenswerten jüngeren Akteuren im Bereich der Sprach-KI gehören.

KI unternehmensweit nutzbar machen

Die Einführung von KI stellt Unternehmen auch organisatorisch vor neue Herausforderungen. Werden KI-Werkzeuge ausschließlich einzelnen Nutzergruppen zur Verfügung gestellt, können parallel unterschiedliche Arbeitsweisen und Werkzeuge entstehen. Dies kann die unternehmensweite Steuerung von Qualitätsstandards, Compliance-Vorgaben oder Datenschutzanforderungen erschweren.

ownvia verfolgt hierfür einen Ansatz, der eine unternehmensweite Bereitstellung der Plattform ermöglicht. Die Lizenzierung erfolgt nach Angaben des Unternehmens nutzungsbasiert über die Aktivierung der jeweiligen Micro-Apps und nicht über die Anzahl der Benutzerkonten.

Je nach gewählter Systemkonfiguration und den eingesetzten KI-Diensten können Unternehmen den Betrieb auf europäischer Cloud-Infrastruktur sowie datenschutzkonforme Verarbeitungsprozesse umsetzen.

Der nächste Schritt der KI-Einführung

Leistungsfähige Sprachmodelle sind heute für viele Unternehmen verfügbar. Die eigentliche Herausforderung besteht häufig darin, diese Technologien kontrolliert, nachvollziehbar und dauerhaft in bestehende Geschäftsprozesse einzubinden.

Aus Sicht von SATRI Consulting wird der langfristige Nutzen von KI daher nicht allein durch die Leistungsfähigkeit einzelner Sprachmodelle bestimmt. Ebenso wichtig sind Prozesse, Unternehmenswissen, Qualitätsanforderungen und eine geeignete organisatorische Einbettung.

Die Erfahrungen aus verschiedenen Kundenprojekten deuten darauf hin, dass ein strukturierter KI-Einsatz dazu beitragen kann, Arbeitsabläufe zu standardisieren und die Nachvollziehbarkeit KI-gestützter Prozesse zu verbessern. Welche Effekte sich im Einzelfall erzielen lassen, hängt jedoch von den jeweiligen organisatorischen, technischen und fachlichen Rahmenbedingungen ab.

Über die Autorin

Klaudija Tripković, ist Chief Growth Officer (CGO) bei ownvia. Sie verantwortet die strategische Positionierung der Marke sowie Marketing und Unternehmenskommunikation. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Einführung generativer KI in Unternehmen und der Entwicklung praxisnaher KI-Lösungen.

ownvia – Übersetzungsassistent

Professionelle KI-Übersetzung mit Styleguide, Glossar, Qualitätsprüfung und Post-Editing.